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DIABETES@WORK UND POLITIK BESUCHEN UNTERNEHMEN VOR ORT

Diabetes at Work

2017 besucht die Initiative gemeinsam mit örtlichen Bundestagsabgeordneten verschiedene Betriebe. Dort diskutieren wir, welche Unterstützung Unternehmen für die Etablierung betrieblicher Gesundheitsmaßnahmen benötigen und erörtern konkreten politischen Handlungsbedarf, damit Prävention und Früherkennung von Diabetes in Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden können.

UNTERNEHMENSBESUCH BEI TRIXIE HEIMBEDARF

Diabetes@Work zu Gast bei Trixie Heimtierbedarf

 

Sitzen, Stehen, Heben, Stress – bei dem führenden Heimtierzubehöranbieter Trixie aus Tarp in Schleswig-Holstein wird das Arbeitsumfeld der Mitarbeiter genau unter die Lupe genommen, mit dem Ziel, die Gesundheit der Mitarbeiter optimal zu fördern. Aus diesem Grund besuchte die Initiative Diabetes@Work gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten und gesundheitspolitischen Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion das Unternehmen im hohen Norden, um sich über optimale betriebliche Gesundheitsangebote und den Umgang mit Diabetes am Arbeitspatz auszutauschen.

 

Bereits 2014 wurde bei Trixie ein umfangreiches betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt und eine Reihe an Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Entspannung, Führung und Arbeitsplatzumgebung umgesetzt. Im Rahmen einer Betriebsbesichtigung und anschließenden Diskussionsrunde verschaffte Monika Hutter, BGM-Beauftragte bei Trixie, den Vertretern von Diabetes@Work und der Bundestagsabgeordneten interessante Einblicke in die vielfältigen Gesundheitsangebote. „Wir bieten unterschiedlichste Angebote an, um möglichst viele Mitarbeiter zu erreichen und für Gesundheitsthemen zu sensibilisieren“, erklärte sie.

 

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 Austausch über die betrieblichen BGM-Angebote bei Trixie Heimtierbedarf
mit der schleswig-holsteinischen FDP-Bundestagsabgeordneten Christine Aschenberg-Dugnus (mittig)

 

Für die Belegschaft bietet das Unternehmen beispielsweise unterschiedliche Fitness-Kurse an, welche die Mitarbeiter kostenlos in Anspruch nehmen können. Frau Aschenberg-Dugnus zeigte sich von diesem Engagement beeindruckt: „Ich bin begeistert, was Trixie hier für die Mitarbeiter leistet. Wir müssen erreichen, dass sich noch viel mehr Betriebe an solchen guten Beispielen orientieren. Dazu müssen wir allerdings auch von Seiten der Politik finanzielle Anreize setzen“, stellte die Bundestagsabgeordnete klar.

 

Die guten Beispiele zur betrieblichen Gesundheitsförderung nahmen die Teilnehmer aus dem Rundgang mit in die anschließende Diskussionsrunde. Bei dem lebhaften Gespräch legte Dr. Stefanie Beck von Lilly Deutschland und Partner von Diabetes@Work die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz für chronisch erkrankte Mitarbeiter, wie Diabetiker, dar. „Bereits heute leben über 2 Million Menschen im berufsfähigen Alter mit Diabetes Typ-2. Die Zuckerkrankheit wird zu einer immer größeren Herausforderung in der Arbeitswelt.“ Diesen Punkt griff die Gesundheitspolitikerin sofort auf. Politik müsse sich öfters mit engagierten Unternehmen wie Trixie austauschen und von Leuchttürmen wie diesem erfahren, forderte Frau Aschenberg-Dugnus.

 

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 Rundgang über das Betriebsgelände und Einblick in die BGM-Angebote bei Trixie:
Christine Aschenberg-Dugnus MdB zeigte sich beeindruckt von dem Engagement vor Ort

 

Mit Blick auf die Zukunft war es der Bundestagsabgeordneten auch ein Anliegen, über die Digitalisierung des Gesundheitswesens zu sprechen. In diesem Bereich läge Deutschland im internationalen Vergleich noch sehr weit zurück. Dabei könnten digitale Patientendaten Fachärzte, wie beispielsweise Diabetologen, dabei unterstützen, eine optimale Therapieauswahl zu treffen. Ebenso könnten betriebliche Gesundheitsprogramme durch bessere Evaluationsmöglichkeiten davon profitieren. Frau Dr. Beck und Frau Aschenberg-Dugnus waren sich einig, dass die Datensouveränität dabei stets beim Patienten liegen müsse.

 

Zum Abschluss kamen die Teilnehmer auf die Tragweite betrieblicher Gesundheitsförderung für die Gesundheitsversorgung zu sprechen. Insbesondere auf dem Land, wo der Fachärztemangel weiter zunimmt, warten Betroffene oft vergeblich und häufig zu lange auf Termine. Betriebliche Gesundheitsförderung könne hier einen wichtigen Beitrag leisten, (chronische) Erkrankungen vorzubeugen und somit die Kapazitätsauslastung der Ärzte zu reduzieren. Die Bundestagsabgeordnete zeigte sich engagiert, diese und weitere politische Forderungen mit nach Berlin zu nehmen und den Austausch mit Diabetes@Work fortzusetzen.

UNTERNEHMENSBESUCH BEIM DICHTUNGSHERSTELLER FREUDENBERG

Diabetes@Work zu Gast bei dem Dichtungshersteller Freudenberg Sealing Technologies in Schwalmstadt

 

Was kann getan werden, damit Arbeitnehmer trotz einer Diabeteserkrankung ihre beruflichen Tätigkeiten weiterhin ausüben können? Inwiefern berücksichtigen Betriebe bereits dieses Thema? Und was sind gute Voraussetzungen für die Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz? Diese und weitere Fragen standen am 5. September 2018 im Mittelpunkt des Besuchs der Initiative Diabetes@Work bei dem Markt- und Technologiespezialist für Dichtungstechnik Freudenberg Sealing Technologies in Schwalmstadt in Hessen. Die Firma beschäftigt rund 14.000 Mitarbeiter und ist ein international bedeutender Zulieferer der Automobilindustrie, zivilen Luftfahrtindustrie, Maschinen- und Schiffbauindustrie sowie Land- und Baumaschinenindustrie. Am Standort Schwalmstadt werden spezielle Dichtungen aus verschiedenen Elastomer- und Polyurethan-Werkstoffen hergestellt. Für das Unternehmen gilt die Gesunderhaltung der Belegschaft als wichtiger Grundstein für den betrieblichen Erfolg.

 

Bei dem Besuch wurde Diabetes@Work von einer Bundestagsabgeordneten begleitet. Vertreter der Partner der Initiative von der IG BCE Hessen-Thüringen, der BKK Freudenberg (Mitglied im BKK Dachverband) und Lilly Deutschland waren ebenfalls mit vor Ort.

 

Während der Begrüßung bedankte sich Stefan Kiefer, zuständig für Personal bei Freudenberg, für das Interesse von Diabetes@Work: „Unser Selbstverständnis ist es, kontinuierlich zu reflektieren, wo wir schon gut aufgestellt sind und wie wir uns noch verbessern können. Dafür schätzen wir betriebsfremde Perspektiven, wie aus der Politik und von engagierten Verbünden wie Diabetes@Work.“ Für das Unternehmen stehe nicht nur die Gesunderhaltung der Belegschaft im Vordergrund, sondern auch die (Wieder-)Eingliederung von Menschen mit körperlichen Einschränkungen. „Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut, Maschinen kann man reparieren“, untermauerte der Produktionsleiter Mathias Burkert. Daher sehe sich das Unternehmen verpflichtet, eine sichere und gesundheitsfördernde Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

 

Bei einem Produktionsrundgang stand der Einblick in die körperlichen Belastungsschwerpunkte in der Granulatfertigung und am Walzwerk im Fokus. Die Beteiligten machten sich ein Bild davon, wie ergonomische Hilfsgeräte Mitarbeitern die körperlich schonende Ausübung ihrer Tätigkeiten ermöglichen. Einen besonderen Fokus legt Freudenberg zudem auf Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit. Die Unternehmensführung wolle, dass bei den Mitarbeitern ein risiko- und gesundheitsbewusstes Verhalten in Fleisch und Blut übergehe. Dem pflichtete der Gewerkschaftsvertreter Alexander Roeske bei: „Das Arbeitsumfeld ist ein guter Ausgangspunkt, das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil auch im Alltag zuhause zu fördern.“

 

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 Teilnehmer des Rundgangs durch die Produktion bei Freudenberg Sealing Technologies in Schwalmstadt mit der örtlichen grünen Bundestagsabgeordneten Dr. Bettina Hoffmann (rechts mittig)

 

 

Bei einer anschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich, welche Relevanz die Gesunderhaltung der Mitarbeiter bei der Geschäftsführung von Freudenberg hat. „Unsere Unternehmensführung hat eine Kultur etabliert, in der die Gesundheit und die Sicherheit der Belegschaft oberste Priorität hat“, erklärte Harald Steinbrecher, Qualitätsmanager bei Freudenberg. „Für uns steht fest: Wir nehmen keine Aufträge an, die für die Gesundheit unserer Mitarbeiter nicht zumutbar sind.“ Darüber hinaus versucht das Unternehmen, mit jedem Mitarbeiter individuelle Lösungen bei einer chronischen Erkrankung zu finden. Es werde niemand im Regen stehen gelassen. Vor allem müsste Mitarbeitern die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust genommen werden, denn jeder unsichere Arbeitsplatz bedeute Stress, der sich negativ auf die Gesundheit auswirke. In diesem Zusammenhang erkundigte sich die Bundestagsabgeordnete, wie ein Arbeitsplatz für einen Arbeitnehmer mit Diabetes Typ 2 angepasst werden kann. In erster Linie sei eine offene und transparente Kommunikation ausschlaggebend, erläuterte Dr. Stefanie Beck von Lilly Deutschland. „Wenn zwischen Arbeitnehmern, Arbeitgebern, Betriebsärzten und Fachärzten ein vertrauensvoller Austausch existiert, können zum Beispiel Therapien individuell an den Arbeitsplatz angepasst werden.“

 

Die Bundestagsabgeordnete unterstrich die wichtige Rolle der Unternehmensführung bei der Gesunderhaltung der Belegschaft. Für eine erfolgreiche Umsetzung und Akzeptanz von betrieblicher Gesundheitsförderung sei das Verantwortungsbewusstsein in den obersten Etagen entscheidend. Sie begrüßte, dass bei Freudenberg die Gesundheit der Mitarbeiter und der Arbeitsschutz als Grundstein für den Unternehmenserfolg gesehen werde.

 

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 Diskutierten die Rolle der Unternehmensführung bei der Umsetzung betrieblicher Gesundheitsangebote, v.l.n.r. Marcel Breidenstein (Mitarbeiter von Dr. Hoffmann), Dr. Bettina Hoffmann, Dr. Stefanie Beck (Lilly Deutschland), Mathias Burkert (Freudenberg Sealing Technologies) sowie eine Vertreterin der Koordinierungsstelle Diabetes@Work

 

Gegen Ende der Diskussion war ein Vorschlag für die Verbesserung des Austauschs, die Stellung von Betriebsärzten zu stärken. Sie könnten die Risiken des jeweiligen Arbeitsplatzes einschätzen. Dabei dürfe es keine Hemmschwelle für die Mitarbeiter geben, sich dem Betriebsarzt anzuvertrauen. „Der Betriebsarzt kann als wichtiges Bindeglied zwischen der Unternehmensführung und den Mitarbeitern fungieren“, sagte Carolin Laubscher von der BKK Freudenberg. Dafür müsse auch das Vertrauen auf Seiten der Patienten gesteigert werden.

PODIUMSGESPRÄCH IN KOOPERATION MIT KTR SYSTEMS

Diabetes@Work-Podiumsgespräch mit Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen

 

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens beschleunigt Innovation der Diabetesprävention und -versorgung. So unterstützen beispielsweise digitale Apps Diabetiker beim Management ihrer Erkrankung, was auch die Integration in den Arbeitsalltag erleichtert.

 

Diese Entwicklung nahm die Initiative Diabetes@Work zum Anlass, um bei einem Podiumsgespräch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär und örtlichen CDU-Bundestagsabgeordneten Jens Spahn am 8. September in Rheine (NRW) innovative Lösungen der Diabetesprävention und -versorgung zu diskutieren. Im gemeinsamen Austausch zeigten die Teilnehmer zudem auf, welcher politischen Unterstützung es bedarf, um digitale Angebote besser für die betriebliche Gesundheitsförderung zugänglich zu machen.

 

Als Vorsitzender des CDU-Bundesfachausschusses für Gesundheit und Pflege gilt Jens Spahn als versierter Experte und treibende Kraft hinter der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Kooperierender Gastgeber des Podiumsgesprächs war das Familienunternehmen KTR Systems aus Rheine. Der Hersteller und Zulieferer von Bremssystemen und Antriebskomponenten engagiert sich stark für die Gesundheitsförderung seiner Mitarbeiter.

 

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 Diskutierten zukunftsweisende Aufgaben der Politik für die Gesundheitsförderung und -versorgung am Arbeitsplatz, v.l.n.r.: Prof. Beate Kretschmer (Lilly Deutschland GmbH); Manfred Richter (VIACTIV Krankenkasse); Holger Klinge (KTR Systems GmbH); Franz Knieps (BKK Dachverband); Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär (CDU); Dr. Gerd Kräh (Lilly Deutschland GmbH)

 

 

Was sind die nächsten politischen Schritte einer zukunftsweisenden Diabetesversorgung?

 

Schnell wurde deutlich, welche Aufgaben die Politik in der kommenden Legislaturperiode angehen muss, um innovative Versorgungslösungen voranzutreiben. Jens Spahn hob insbesondere die Notwendigkeit einer stärkeren Integration digitaler Anwendungen hervor: „Big Data, Apps und Telemedizin bieten für den Patienten enorme Vorteile. Im nächsten Schritt müssen Innovation noch schneller beim Patienten ankommen – da ist das System gefragt.“

 

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  Die Potentiale der Digitalisierung des Gesundheitswesens für die Versorgung chronisch Erkrankter standen im Mittelpunkt der Diskussion  

 

Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbands und Partner von Diabetes@Work, verwies auf das Potential von Online-Sprechstunden und bemängelte Deutschlands schlechte Position im europäischen Vergleich: „Die Digitalisierung ermöglicht, dass Ärzte durch Videosprechstunden Patienten direkt am Arbeitsplatz erreichen können. In Deutschland ist die ausschließliche Fernbehandlung jedoch nicht erlaubt – das muss sich ändern. Davon würden insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen ohne eigene Betriebsärzte profitieren.“ Mit Blick auf Beratungs- und Aufklärungsangebote der Krankenkassen würde zudem die Analyse von Versichertendaten die Möglichkeit eröffnen, individualisierte und passgenaue Angebote zu unterbreiten. „Dafür muss die Politik den Versicherten in der kommenden Legislaturperiode ermöglichen, erhobene Daten den Krankenkassen zu Beratungszwecken zugänglich zu machen“, forderte Manfred Richter, Leiter Politik und Recht der VIACTIV Krankenkasse.

 

Ein weiterer Aspekt einer modernen Versorgung, z.B. im Bereich Diabetes, stelle die bessere Vernetzung aller an der Versorgung beteiligten Akteure dar, ergänzte Prof. Beate Kretschmer von Lilly Deutschland. Dafür bedürfe es praktikablerer Einwilligungsmöglichkeiten der Patienten für einen direkten Informationsaustausch, insbesondere zwischen den behandelnden Ärzten.

 

Welche Möglichkeiten haben kleine und mittlere Unternehmen, ihren Angestellten passgenaue Gesundheitsangebote zu unterbreiten?

 

Neben dem Aspekt Digitalisierung hat Diabetes@Work in den vergangenen Jahren die gesamte Spannbreite des Themas „chronische Erkrankungen am Arbeitsplatz“ adressiert. Dafür sammelt die Initiative seit 2014 bei Unternehmen vor Ort Best Practice-Beispiele der Prävention und des Umgangs mit chronischen Erkrankungen, wie Diabetes. „Der großen gesellschaftlichen Zunahme des Diabetes müssen wir dort begegnen, wo man die meisten Menschen erreichen kann, nämlich am Arbeitsplatz“, erläuterte Dr. Gerd Kräh von Lilly Deutschland und Partner von Diabetes@Work die Initiative. KTR Systems sei ein Paradebeispiel dafür, dass auch mittelständische Unternehmen sich mit gezielten Maßnahmen für die Gesundheit der Mitarbeiter einsetzen können.

 

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  Holger Klinge (rechts), Leiter Personal bei KTR Systems GmbH, schilderte das gesundheitsfördernde Engagement des mittelständischen Betriebs im Gespräch mit Moderator Stephan Pregizer

 

„Gesundheitsförderung ist bei uns Teil der Unternehmenskultur. Wir zeigen Verantwortung für unsere Mitarbeiter und wollen in Anbetracht des Fachkräftemangels, dass diese möglichst lange gesund im Unternehmen bleiben“, erläuterte Personalleiter Holger Klinge das Engagement von KTR Systems. „Als mittelständisches Unternehmen profitieren unsere Mitarbeiter von individuellen Absprachen und schnellen Entscheidungsfindungen. Dadurch ermöglichen wir, gemeinsam mit unseren Angestellten maßgeschneiderte Gesundheitsmaßnahmen zu entwickeln.“ Die gesundheitsfördernden Angebote des Unternehmens umfassen unter anderem eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, z.B. durch Hebehilfen, regelmäßige Gesundheitschecks durch Betriebsärzte, Physiotherapie sowie Kooperationen mit dem örtlichen Sportsverein.

 

Einigkeit herrschte bei allen Beteiligten darüber, dass das Thema Diabetes ganz oben auf die gesundheitspolitische Agenda der neuen Regierung gehört. Dabei müssten die Potentiale digitaler Lösungen ebenso berücksichtigt werden wie die Förderung herkömmlicher Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Um die Versorgung, die Prävention und den Umgang mit Diabetes sowohl am Arbeitsplatz als auch gesamtgesellschaftlich entscheidend zu verbessern, sollte eine umfassende nationale Diabetesstrategie im neuen Koalitionsvertrag verankert werden.

UNTERNEHMENSBESUCH BEIM KANTINENBETREIBER EUREST DEUTSCHLAND

Diabetes@Work zu Gast beim Kantinenbetreiber Eurest Deutschland
 

Wie sollten Kantinenmenüs gestaltet sein, um zu einer besseren Ernährung am Arbeitsplatz beizutragen? Und wie kann die Politik Unternehmen und öffentliche Einrichtungen dabei unterstützen, gesunde Mahlzeiten anzubieten? Die Initiative Diabetes@Work besuchte am 8. Juni die Eurest Deutschland GmbH in der Firmenzentrale in Eschborn, um diesen und weiteren Fragen nachzugehen. Der größte Kantinenbetreiber Deutschlands unterhält rund 850 Kantinen und bewirtet dabei in Spitzenzeiten bis zu 200.000 Gäste täglich. Die Tochtergesellschaft der Compass Group, eines der weltweit führenden Dienstleistungsunternehmen im Bereich Food- und Support Services, zeichnet sich durch Expertise bei der Entwicklung gesunder Kantinenkonzepte aus.
 

Die örtliche Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche begleitete den Besuch. Der Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft der Bündnis90/Die Grünen-Bundestagsfraktion ist eine gesunde Ernährung am Arbeitsplatz ein besonderes Anliegen, da diese eine wichtige Rolle bei der betrieblichen Gesundheitsförderung und der Prävention chronischer Erkrankungen wie dem Diabetes spielt.
 

Die Initiative wurde vertreten durch Prof. Dr. Beate Kretschmer und Dr. Anne Röhrig von Lilly Deutschland sowie von Christine Habedank und Alexander Wiesbach von der IG BCE Bezirk Rhein-Main, die die Arbeitnehmerperspektive in die Diskussion vor Ort einbrachten.
 

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Diskutierten das Thema gesunde Ernährung am Arbeitsplatz mit der grünen Bundestagsabgeordneten Kordula Schulz-Asche (im Bild mittig): Gastgeber der Compass Group Deutschland GmbH, darunter Geschäftsführer Jürgen Thamm, zudem die Vertreter der Initiative Diabetes@Work Prof. Dr. Beate Kretschmer und Dr. Anne Röhrig von Lilly Deutschland sowie Alexander Wiesbach und Christine Habedank von der IG BCE Bezirk Rhein-Main.
 

Jürgen Thamm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Compass Group Deutschland, hob bei der Vorstellung der Unternehmensgruppe den Unterschied zwischen professionellen Cateringanbietern wie Eurest und traditionellen Werkskantinen hervor: „Wir fördern die gesunde Ernährung in den von Eurest betriebenen Kantinen durch ein vielfältiges und ausgewogenes Menüangebot. Unsere Gäste profitieren von unseren Kapazitäten, die uns als professioneller Cateringanbieter für die Konzeption von gesunden Kantinenmenüs zu Verfügung stehen.“
 

Ein Rundgang durch die betriebseigene Kantine am Standort Eschborn verdeutlichte den Teilnehmern die Vielfalt und Ausgewogenheit des Angebots. André Schellenberg, Leiter Menümanagement bei der Compass Group, erläuterte, wie sich das Unternehmen für einen gesunden Lebensstil während der Arbeitszeit einsetzt. „Gesunde Ernährung gehört einfach zum Arbeitsplatz dazu: Sie ist wichtig für mehr Motivation und höhere Produktivität. Dafür entwickeln wir eigene gesunde Kantinenmenüs“. Besonders durchgesetzt habe sich das Food-Konzept vitalien-balance. Brigitte Mestel, Ernährungswissenschaftlerin bei der Compass Group, erklärte: „Unsere Vitalien-Menüs zeichnen sich durch kalorienreduzierte und eine nährstoffschonende Zubereitung aus, oft sind sie vegetarisch oder vegan. Wir entwickeln die Rezepte gemeinsam mit Ernährungs- und Fitnessexperten von der Zeitschrift Fit for Fun sowie Ökotrophologen, basierend auf den neuesten ernährungsphysiologischen Erkenntnissen und Nährstoffempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.“ Die Vitalien-Menüs zählen laut Eurest zu den beliebtesten Angeboten in den Betriebsrestaurants. Ein hausinternes Ausbildungsprogramm für Betriebskantinenleiter führt dazu, dass das Personal den Grundgedanken der Vitalien-Linie an die Gäste weiterträgt: Achtsamkeit für eine gesunde und ausgewogene Ernährung – nicht nur nach Feierabend, sondern auch am Arbeitsplatz.
 

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Im Gespräch über gesunde Kantinenkonzepte: v.l.n.r.: Sabrina Scheer, Compass Group Deutschland GmbH, Dr. Anne Röhrig, Lilly Deutschland, Kordula Schulz-Asche, MdB (Bündnis90/Die Grünen) und Christine Habedank, IG BCE Rhein-Main.
 

Bei der Vorstellung der gesunden Ernährungskonzepte rückte schnell das Thema Finanzierung in den Fokus. Jürgen Thamm erklärte, dass viele Betriebe im Kundenstamm von Eurest bereit seien, gesundes Kantinenessen zu bezuschussen. Er bedauere jedoch die mangelnde Subventionierung für gesunde Mittagsmenüs in öffentlichen Einrichtungen, etwa in Kitas und Schulen. Frau Schulz-Asche stimmte ihm zu, verwies allerdings auf die Kompetenz der Länder und Kommunen in diesen Bereichen.
 

Ein weiteres Kernthema der Gesprächsrunde war die Frage, wie Gesundheits- und Ernährungsbewusstsein in den unterschiedlichen Lebenswelten bestmöglich gefördert werden kann. Frau Schulz-Asche lag besonders die frühkindliche Aufklärung am Herzen: „Gesundheitskompetenz kann nicht früh genug in den Alltag der Kinder integriert werden. Die Themen Gesundheit und Ernährung müssen daher selbstverständlich im Kindergarten und in der Schule verankert werden“. Die Grünen setzten hierfür auf einen ganzheitlichen Ansatz unter Einbezug der Familie. „Anstelle eines Schulfachs Gesundheit/Ernährung fordern wir, das Wissen, die Kompetenzen und die Gelegenheiten für gesundes Leben in unterschiedlichen Schulfächern und im Schulalltag anzusprechen und auch für das Lehrpersonal zu fördern“, so Schulz-Asche.
 

Der Austausch mit dem Kantinenbetreiber Eurest hat gezeigt, dass die Sensibilisierung für gesunde Ernährung ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsförderung ist. Kantinenbetreiber wie Eurest können in verschiedenen Lebenswelten dazu beitragen, das Bewusstsein für gesunde Ernährung zu stärken. Bei einer Anzahl von über 6,5 Millionen Menschen mit diagnostiziertem Diabetes Typ 2 in Deutschland, darunter mehr als 2 Millionen im berufsfähigen Alter, gibt es dennoch dringenden Handlungsbedarf. Alle Beteiligten des Diabetes@Work-Unternehmensbesuchs waren sich einig, dass die Politik in manchen Bereichen der Prävention und Gesundheitsförderung in der nächsten Legislaturperiode nachjustieren muss.
 

UNTERNEHMENSBESUCH BEIM MEDIZINTECHNIKHERSTELLER SIEMENS HEALTHINEERS

Diabetes@Work zu Gast bei Siemens Healthineers in Forchheim
 

Wie setzt sich einer der weltweit führenden Hersteller für Medizintechnik für die Gesunderhaltung seiner Mitarbeiter ein? Die Initiative Diabetes@Work war am 4. Mai zu Gast bei Siemens Healthineers am Standort Forchheim, um dieser Frage nachzugehen und zu diskutieren, wie Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz politisch unterstützt werden kann.
 

Mit vor Ort waren die örtlichen SPD-Bundestagsabgeordneten Martina Stamm-Fibich, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, und Andreas Schwarz, Mitglied im Finanzausschuss.
 

Begleitet wurde der Unternehmensbesuch zudem von Dr. Ralf Franke, Leiter Environmental Protection, Health Management and Safety bei der Siemens AG, sowie von Dr. Hans Unterhuber, Vorstand der Siemens-Betriebskrankenkasse. Die Initiative Diabetes@Work wurde von Dr. Gerd Kräh und Dr. Anne Röhrig von Lilly Deutschland vertreten. „Der Besuch heute ist eine gute Gelegenheit, an den vorherigen Austausch bei der Siemens AG in München anzuknüpfen“, dankte Dr. Gerd Kräh den Gastgebern von Siemens Healthineers. Bei Siemens in München hatten einige der Teilnehmer im Rahmen einer Dialogveranstaltung der Initiative im März 2016 das Thema Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz schon einmal diskutiert.
 

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Diskutierten politische Unterstützung für die Etablierung betrieblicher Gesundheitsangebote, v.l.n.r: Dr. Andreas Hufnagel, Siemens Healthineers; Andreas Schwarz, MdB, SPD; Dr. Gerd Kräh, Lilly Deutschland; Martina Stamm- Fibich, MdB, SPD; Dr. Anne Röhrig, Lilly Deutschland; Dr. Freimut Schröder, Siemens Healthineers (Es fehlen: Dr. Ralf Franke, Siemens AG; Dr. Hans Unterhuber, Siemens-Betriebskrankenkasse)
 

Bei Siemens Healthineers nimmt die Gesunderhaltung der Mitarbeiter einen hohen Stellenwert ein. „Gesundheitsangebote werden von unseren Arbeitnehmern immer stärker nachgefragt. Auch für Bewerber werden gesundheitsfördernde Leistungen zunehmend zum ausschlaggebenden Entscheidungskriterium“, erklärte Dr. Freimut Schröder, Vice President Environment, Health and Safety bei Siemens Healthineers. Deshalb werde bei der Standortgestaltung mittlerweile besonders auf die Verfügbarkeit betriebsnaher Angebote geachtet, wie z.B. Gesundheitsstudios für Workouts, Wellness und Entspannung.
 

„Unser Ziel ist es, möglichst viele Mitarbeiter zu motivieren, sich langfristig für die eigene Gesundheit einzusetzen“, betonte Dr. Andreas Hufnagel, leitender Betriebsarzt bei Siemens Healthineers. Dafür erstellt das betriebsärztliche Personal im persönlichen Gespräch mit den Mitarbeitern bedarfsorientierte Gesundheitsangebote. Diese reichen von Aufklärungsmaßnahmen, über das Sammeln von Aktiv- Minuten in gemeinsamen Sportgruppen bis hin zu mehrwöchigen Gesundheitsseminaren. Ein integraler Bestandteil des Gesundheitsmanagements bei Siemens Healthineers ist außerdem die Evaluierung der vielen Gesundheitsangebote. „Damit unsere Angebote angenommen werden, müssen wir diese mit unseren Mitarbeitern abstimmen“, erläuterte Dr. Hufnagel. Dafür finden regelmäßige Feedbackrunden mit Mitarbeitern und Führungskräften statt, in denen die Wirksamkeit von Präventions- und Gesundheitsleistungen diskutiert und ausgewertet wird.
 

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Teilnehmer des Unternehmensbesuchs bei der Vorstellung eines Computertomographen von Siemens Healthineers (mittig, sitzend: Martina Stamm-Fibich, MdB, SPD)
 

Die Gesundheitspolitikerin Martina Stamm-Fibich nahm die Vorstellung des Gesundheitskonzepts von Siemens Healthineers zum Anlass, das Potential der betriebsärztlichen Versorgung hervorzuheben: „Ein wichtiger Punkt ist für mich, dass die therapeutischen Kompetenzen von Betriebsärzten besser ausgeschöpft werden.“ Dr. Hans Unterhuber pflichtete dem bei: „Es wäre wünschenswert, Betriebsärzte erhielten mehr Befugnisse im Bereich Diagnose und Verschreibung.“ Dies ermögliche Mitarbeitern einen einfacheren Zugang zu Präventions- und Therapiemaßnahmen.
 

Die Teilnehmer teilten die Ansicht, dass der Setting-Ansatz des Präventionsgesetzes ein wichtiger Schritt zu einer besseren Prävention von Erkrankungen, wie z.B. Diabetes, in der Arbeitswelt sei. Dr. Franke von der Siemens AG machte gleichzeitig deutlich, dass die derzeitige Gestaltung der Steuerpolitik für Unternehmen eine Hürde darstellt: „Die Besteuerung betrieblicher Gesundheitsleistungen widerspricht der Zielsetzung des Präventionsgesetzes. Vielmehr sollte die Steuerpolitik den Unternehmen Anreize setzen, sich aktiv für die Gesunderhaltung ihrer Mitarbeiter einzusetzen.“ Die Bundestagsabgeordneten erklärten, diesen Punkt gerne „mit nach Berlin“ zu nehmen.
 

Bei einer abschließenden Führung durch das „Experience Center“, den neuen Showroom von Siemens Healthineers am Standort Forchheim, zeigte sich das Unternehmen als Vorreiter im Bereich der medizinischen Bildgebungsverfahren. Die Vorstellung neuster Entwicklungen war für alle Beteiligten ein besonderes Erlebnis.
 

UNTERNEHMENSBESUCH BEIM TECHNOLOGIEKONZERN HERAEUS

Diabetes@Work zu Gast bei dem Technologiekonzern Heraeus
 

Wie setzen sich Unternehmen für die Gesunderhaltung ihrer Mitarbeiter ein und welche Unterstützung benötigen sie dafür von der Politik? Diese Frage steht im Mittelpunkt der diesjährigen Unternehmensbesuche der Initiative Diabetes@Work. Nach dem Auftakt bei einem Mittelständler im Raum Paderborn im Februar war die Initiative am 14. März zu Gast bei dem Technologiekonzern Heraeus Holding GmbH in Hanau. Das Unternehmen ist mit rund 12.500 Mitarbeitern eines der größten Familienunternehmen Deutschlands. Heraeus bietet ein breites Portfolio von Technologiekomponenten bis hin zu abgestimmten Materialsystemen an. Ein Schwerpunkt liegt in der industriellen Verarbeitung von Edelmetallen. Diese werden in zahlreichen Branchen eingesetzt, u.a. in der Automobil-, Elektronik- und Chemieindustrie.
 

Die örtliche Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert begleitete die Initiative. Als Mitglied des Gesundheitsausschusses ist der CDU-Politikerin die Prävention und frühzeitige Diagnostik chronischer Erkrankungen ein zentrales Anliegen. Die Initiative wurde vertreten durch Thomas Schaaf von der R+V Betriebskrankenkasse, Mitglied im BKK Dachverband, und Dr. Gerd Kräh von Lilly Deutschland.
 

Nach der offiziellen Begrüßung durch Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung von Heraeus, besichtigten die Teilnehmer die Edelmetallschmelze, bei der die intensiven Arbeitsbedingungen in der Edelmetallverarbeitung deutlich wurden. Vertreter von Heraeus, darunter Michael Werth, Head of Operational Excellence, und Dr. Hendrik Mertens, leitender Betriebsarzt, erläuterten die individuellen körperlichen Belastungsschwerpunkte: „In unserer Edelmetallschmelze werden viele Prozesse noch manuell durchgeführt. Das ist eine anspruchsvolle körperliche Arbeit für unsere Beschäftigten. Wir legen daher einen großen Wert auf ein gesundheitsgerechtes Arbeitsumfeld.“
 

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Dr. Katja Leikert, MdB, zeigte sich beeindruckt beim Rundgang durch die Edelmetallschmelze
 

Wie konkret sich Heraeus für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiter einsetzt, wurde in einer anschließenden Diskussionsrunde deutlich. Ein Vortrag über das betriebliche Gesundheitsmanagement der Firma zeigte eindrucksvoll, dass Heraeus eine und leistungs- und gesundheitsfördernde Unternehmenskultur pflegt. „Führung spielt eine zentrale Rolle für eine erfolgreiche betriebliche Gesundheitsförderung“, appellierte Dr. Mertens. „Wir bilden unsere Führungskräfte speziell weiter, sodass sie neben der Leistungsförderung ihrer Mitarbeiter stets auch individuelle Gesundheitsaspekte berücksichtigen.“
 

Darüber hinaus bietet die Firma Präventions- und Gesundheitsangebote für die Belegschaft an. Im Rahmen von regelmäßigen Präventionstagen haben alle Beschäftigten die Möglichkeit, einen umfassenden und kostenlosen Gesundheitscheck durchzuführen. Auf Basis der erhobenen Werte, z.B. Blutzuckerspiegel und Cholesterin, können sie sich zu ihren gesundheitlichen Risiken vom Betriebsarzt direkt vor Ort beraten lassen. Eine regelmäßige Teilnahme am so genannten Gesundheitspass ermöglicht die Entwicklung wichtiger Gesundheitswerte zur Früherkennung und Vorbeugung von Erkrankungen im Auge zu behalten.
 

Die Vorstellung des Gesundheitspasses regte eine Diskussion über die Ausschöpfung von diagnostischen und therapeutischen Kompetenzen von Betriebsärzten an. Frau Dr. Leikert, die Vertreter von Diabetes@Work sowie von Heraeus teilten die Ansicht, dass Betriebsärzte einen großen Beitrag zur Therapie und Diagnostik leisten können – zum Vorteil von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Durch diagnostische und therapeutische Begleitung direkt am Arbeitsplatz könne frühzeitig interveniert und somit Fehlzeiten vorgebeugt werden, erklärte Betriebsarzt Dr. Mertens.
 

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Diskutierten politische Unterstützung für betriebliche Gesundheitsvorsorge mit der Bundestagsabgeordneten Dr. Katja Leikert: Vertreter der Heraeus Holding GmbH und Diabetes@Work
 

Frau Dr. Leikert erkundigte sich zudem nach der Umsetzung des Präventionsgesetzes in der Praxis. Sie betonte, das Präventionsgesetz könne einen zentralen Mehrwert für die Gesundheitsförderung leisten, sofern Präventionsangebote nachhaltig angelegt und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten seien. Thomas Schaaf von der R+V Betriebskrankenkasse schilderte die Erfahrung der Krankenkassen: Für die Kostenträger bestehe die Herausforderung darin, geeignete Gesundheitsprojekte zu finden, die im Rahmen des Präventionsgesetzes förderungsfähig sind. Mit Blick auf die nächste Legislaturperiode waren sich die Gesprächsteilnehmer einig, dass eine baldige Evaluation des Präventionsgesetzes sinnvoll ist.
 

UNTERNEHMENSBESUCH BEIM MITTELSTÄNDLER REME MÖBELBESCHLÄGE

Die Initiative zu Gast bei der REME Möbelbeschläge GmbH in Hövelhof (NRW)
 

Wie engagieren sich kleine und mittlere Betriebe für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und wie können sie dabei von der Politik bestmöglich unterstützt werden? Diese und weitere Fragen erörterte die Initiative Diabetes@Work am 6. Februar 2017 bei der Firma REME Möbelbeschläge GmbH, einem mittelständischen Produzenten von Auszugssystemen für Schubkästen und Schiebetüren in Hövelhof. Begleitet wurde die Initiative vom örtlichen CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Linnemann. Als Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU und Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales setzt sich Dr. Carsten Linnemann besonders für die Belange kleiner und mittlerer Unternehmen sowie die Bedürfnisse der Angestellten ein.
 

Für die Initiative waren Friedemann Bohlen, Betriebsarzt und Vorsitzender des VDBW Landesverbands Westfalen-Lippe sowie Dr. Gerd Kräh von Lilly Deutschland vor Ort. Bei einem Rundgang durch die Produktionsstätten zeigten Bruno Meier, Geschäftsführer von REME Möbelbeschläge sowie Andreas Wimbert, Produktionsleiter und Sarah Storck, Personalverantwortliche, die körperlichen Belastungsschwerpunkte im produzierenden Möbelgewerbe auf. Im Rahmen einer anschließenden Gesprächsrunde diskutierten die Teilnehmer die Ansätze und Herausforderungen für die Gesunderhaltung der Mitarbeiter.
 

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Identifizierten körperliche Belastungsschwerpunkte der Mitarbeiter, v.l.n.r.: Bruno Meier, REME Möbelbeschläge GmbH; Sarah Storck, REME; Dr. Carsten Linnemann, MdB; Andreas Wimbert, REME; Dr. Gerd Kräh, Lilly Deutschland GmbH
 

Beim Unternehmensbesuch wurde deutlich: Auch mittelständische Unternehmen haben vielfältige Möglichkeiten, ihren Mitarbeitern betriebliche Gesundheitsmaßnahmen anzubieten. Für Geschäftsführer Bruno Meier hat die Gesundheit seiner rund 200 Mitarbeiter einen hohen Stellenwert. Er betonte die Wichtigkeit, seinen Angestellten einen niedrigschwelligen Zugang zur Geschäftsführung zu ermöglichen: „Meine Tür steht immer offen. Wenn gesundheitliche Probleme bestehen, muss frühzeitig darüber gesprochen werden. So lassen sich für jeden Mitarbeiter individuelle Lösungen finden.“ Bei regelmäßigen Gesundheitstagen bietet REME zusammen mit dem Betriebsarzt Vorsorgeuntersuchungen und Informationen zu Präventionsmaßnahmen an. Ziel ist es, die Angestellten zu mehr Bewegung und einem gesünderen Lebensstil zu motivieren. Dafür können sie z.B. auch Fahrräder für den persönlichen Gebrauch leihen und Anti-Rauch-Seminare belegen.
 

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Erörterten politischen Handlungsbedarf zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen, v.l.n.r.: Dr. Carsten Linnemann; Dr. Gerd Kräh; Bruno Meier; Andreas Wimbert; Friedemann Bohlen; Sarah Storck
 

Im Gespräch mit Dr. Carsten Linnemann waren sich die Beteiligten einig, dass in den letzten Jahren wichtige politische Initiativen auf den Weg gebracht wurden, die die Rahmenbedingungen für Prävention und Kuration chronischer Erkrankungen am Arbeitsplatz verbessern. Friedemann Bohlen lobte die Zielsetzung des Präventionsgesetzes, die Gesundheitsförderung direkt in der Arbeitswelt zu stärken, bedauerte jedoch die „schleppende Umsetzung“: „Damit Betriebe Gesundheitsangebote möglichst unkompliziert anbieten können und dabei finanziell unterstützt werden, bedarf es der zügigen Einführung der im Präventionsgesetz verankerten regionalen Koordinierungsstellen der Krankenkassen.“ So könne sichergestellt werden, dass sich die Krankenkassen finanziell an betrieblichen Gesundheitsangeboten beteiligen. In der Praxis zeige sich, dass Unternehmen die Kosten noch meist alleine tragen.
 

Ein weiterer zentraler Diskussionspunkt, den Herr Linnemann „mit nach Berlin“ nehmen will, ist die Besteuerung gesundheitsfördernder Angebote des Arbeitgebers als geldwerter Vorteil. Bruno Meier erläuterte die Problematik: „Für betriebliche Gesundheitsmaßnahmen gibt es einen steuerfreien Betrag von 500 Euro pro Mitarbeiter jährlich. Sobald dieser Betrag überschritten ist, wird der Gesamtbetrag sozialversicherungs- und steuerpflichtig. Das hemmt die Investition in Gesundheitsangebote. Idealerweise wird der Freibetrag deutlich erhöht und nur der Betrag besteuert, der über den Freibetrag hinausgeht“.
 

Im gemeinschaftlichen Austausch zeigte sich der Bundestagsabgeordnete aufgeschlossen: „Ich habe heute erfahren, welchen Herausforderungen Unternehmen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung begegnen und wo die Politik noch Unterstützung leisten kann.“
 

In den kommenden Monaten wird die Initiative weitere Unternehmen besuchen, um der Politik konkreten Handlungsbedarf im Bereich Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt aufzuzeigen.