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„Diabetes@Work – Initiative zeigen für eine gesunde Arbeitswelt!“

27. Mai 2015 in Duisburg – Haus der Unternehmer

Stahl - Das sind wir - HKM

Am Mittwoch, 27. Mai 2015, war die Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH in Duisburg Gastgeber der zweiten Länderstation der Initiative Diabetes@Work.

FILM ZUR LÄNDERSTATION IN NRW

Länderstation Nordrhein-Westfalen

Traditionelle Industriezweige bilden neben dem wachsenden Dienstleistungssektor die Grundlage für die Wirtschaftskraft Deutschlands. Trotz moderner Produktionsverfahren und technologischer Innovationen gibt es in der Schwerindustrie auch heute noch Arbeitsplätze mit großen körperlichen Belastungen für die Angestellten. Für Unternehmen mit chronisch kranken Arbeitnehmern, insbesondere Menschen mit Diabetes, stellt dies eine große Herausforderung dar.
 

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand deshalb die Frage: Wie können Prävention und Kuration von chronischen Krankheiten wie Diabetes, speziell bei körperlich stark herausfordernden Tätigkeiten gelingen?
 

Gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Fachgesellschaften diskutierten wir konkrete Maßnahmen und zukünftige Lösungsansätze.

PROGRAMM ZUR VERANSTALTUNG

Wann
Mittwoch, 27. Mai 2015, 14.00 bis 16.15 Uhr (ab 13.00 Uhr Empfang)
 

Wo
Haus der Unternehmer, Düsseldorfer Landstr. 7, 47249 Duisburg
 

Programm Moderation: Lisa Braun, Presseagentur Gesundheit
14.00 Uhr Begrüßung durch Peter Gasse, Arbeitsdirektor HKM und Diabetes@Work
14.15 Uhr Keynote durch den Schirmherren Dr. Wilhelm Schäffer, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales in Nordrhein-Westfalen: „Die Rolle von Unternehmen bei Prävention und Gesundheit am Arbeitsplatz in NRW“
14.30 Uhr Praxiseinblick: Betriebliches Gesundheitsmanagement und Diabetesprävention bei den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (Dr. med. Wolfgang Panter)
14.45 Uhr Impulsgespräch: Umgang mit chronischen Erkrankungen am Arbeitsplatz – Eine Netzwerkaufgabe
  • Dr. med. Ernst-Otto von Reis, Diabetologe DDG
  • Reinhard Brücker, Vorstandsvorsitzender der BKK vor Ort
15.15 Uhr Politischer Dialog: Diabetes in der Arbeitswelt – Was kann und muss Politik tun?
  • Helga Kühn-Mengel MdB, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit für die SPD-Bundestagsfraktion und Präsidentin der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.
  • Peter Preuß MdL, Mitglied im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales sowie arbeits- und sozialpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion NRW
  • Arif Ünal MdL, Mitglied im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales sowie Sprecher für Gesundheitspolitik der GRÜNEN-Landtagsfraktion NRW
  • Anne-Kathrin Klemm, Abteilungsleiterin Politik des BKK-Dachverbandes
  • Norbert Keller, Betriebsrat HKM
  • Bernhard Graefenstein, Fachsekretär für Demografie IG BCE Nordrhein
Ab 16.15 Uhr Get Together

PRESSEMITTEILUNG ZUR VERANSTALTUNG

Initiative zeigen für eine gesunde Arbeitswelt – „Diabetes@Work“ zu Gast bei HKM in Duisburg

Experten diskutierten Möglichkeiten der Prävention und Unterstützung von chronisch Kranken am Arbeitsplatz

DUISBURG, 27.05.2015 – Arbeiten am Stahlkessel bei extremen Temperaturen, körperlich anstrengende Tätigkeiten, Schichtarbeit im 24-Stunden-Modus an sieben Tagen in der Woche – für das Stahlunternehmen Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH in Duisburg der ganz normale Betriebsablauf. Dies ist nur mit gesunden und leistungsfähigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu bewerkstelligen. Steigende Zahlen chronischer Erkrankungen im arbeitsfähigen Alter, wie beispielsweise Diabetes, stellen ein Risiko für die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter dar – und damit für die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen. Was können Unternehmen tun, um diese Risiken zu begrenzen und sich frühzeitig für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu engagieren? Welche politischen Rahmenbedingungen braucht es, um die Betriebe dabei zu unterstützen?


Diesen und weiteren Fragen ging die Initiative Diabetes@Work bei seiner zweiten Länderstation bei HKM in Duisburg nach. „Der Betrieb ist ein sehr wichtiger Ausgangspunkt für Gesundheit. Seit mehreren Jahrzehnten arbeiten wir kontinuierlich an der Verbesserung der Arbeitsschutzmaßnahmen für unsere rund 3.000 Mitarbeiter und an der Einbindung von Menschen mit Diabetes in den alltäglichen Betriebsablauf“, führte  Peter Gasse, Arbeitsdirektor von HKM aus. Dr. Wolfgang Panter, Leitender Betriebsarzt bei HKM fügte hinzu: „Schichtarbeit und körperlich belastende Tätigkeiten, wie sie bei uns an der Tagesordnung sind, erfordern frühzeitige Interventionen und Präventionsmaßnahmen, die auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zugeschnitten sind.“


Unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales von Nordrhein-Westfalen und nach einem Impulsvortrag von Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer erörterten die vor Ort aktiven Akteure, wie der Austausch zwischen Werksarzt und niedergelassenen Diabetologen unter Beteiligung von Krankenkassen und weiteren Netzwerkakteuren funktionieren kann. Die anschließende politische Diskussion nahm diesen Ball auf. Vertreter von Bundes- und Landespolitik sowie von Krankenkassen und Gewerkschaften diskutierten über die Rolle der Politik bei der Unterstützung von Maßnahmen gegen Diabetes im Unternehmen. Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass Politiker auf Landes- und Bundesebene in der Pflicht seien, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen und dadurch Betriebe noch besser zu unterstützen.


Die Länderstation in Nordrhein-Westfalen war bereits die zweite Veranstaltung von „Diabetes@Work“, den Auftakt bildete ein Besuch bei der Fraport AG im Herbst 2014. Ziel der Initiative und ihrer Partner ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen zum Ausgangspunkt für Prävention und Früherkennung bei Diabetes werden können und welche politischen Rahmenbedingungen dafür nötig sind. Dabei soll auch erkundet werden, wie sich bestehende Leuchtturmbeispiele flächendeckend umsetzen und auf alle Unternehmensgröße anpassen lassen. Mit den Erkenntnissen der einzelnen Länderstationen will die Initiative auf Bundesebene Impulse für eine Nationale Diabetesstrategie setzen.

BERICHT ZUR VERANSTALTUNG

Die Gesundheit der eigenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist ein wertvolles Gut für Unternehmen. Sie sichert die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen und dadurch die Produktivität des Betriebs. Zugleich stellen Faktoren wie die demografische Entwicklung und die steigende Anzahl chronisch Kranker Unternehmen unabhängig von ihrer Größe vor enorme Herausforderungen. Sie sind ein Risiko für die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter und damit für die Wirtschaftlichkeit.
 

Was tun Unternehmen schon heute, um diese Risiken zu begrenzen und sich frühzeitig für die Gesundheit ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu engagieren? Welche politischen Rahmenbedingungen braucht es, um die Betriebe dabei bestmöglich zu unterstützen?
 

Diese und weitere Fragen hat die Initiative Diabetes@Work am 27. Mai auf Einladung der Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM) in Duisburg diskutiert. Bei der inzwischen zweiten Länderstation standen vor allem spezifische Herausforderungen von Arbeitsplätzen in der Schwerindustrie im Mittelpunkt – Arbeiten bei extremen Temperaturen und hoher Lärmbelastung, körperlich anstrengende Tätigkeiten und „Kontischichten“ im 24-Stunden-Takt an sieben Tagen in der Woche.
 

Technischer Fortschritt verändert Belastungsschwerpunkte im Produktionsprozess
Peter Gasse, Arbeitsdirektor von HKM, schilderte in seiner Begrüßung die Veränderungen der Branche in den letzten Jahren und stellte klar: „Stahl ist keine Folklore-Veranstaltung“. Wichtige Merkmale der Stahlindustrie heute seien technische Intelligenz und Ingenieursfähigkeit. Durch technischen Fortschritt hätten sich die Belastungsschwerpunkte stark gewandelt, so Gasse weiter. Zwar hätten Arbeitserleichterungen und Automatisierungen im Produktionsprozess dazu geführt, dass Mitarbeiter körperlich entlastet werden und dadurch grundsätzlich länger im Unternehmen bleiben können. Dies führe auf der anderen Seite jedoch dazu, dass die Belegschaft immer älter werde. HKM habe es sich daher zum Ziel gesetzt, auf diese demografische Herausforderung im Betrieb zu reagieren: mit vielfältigen Angeboten des betrieblichen Gesundheitsmanagements, um die eigenen Mitarbeiter gesund zu halten und um Arbeitnehmer mit chronischen Erkrankungen in den Betriebsablauf zu integrieren.
 

Gasse Kraeh

Peter Gasse, Arbeitsdirektor von HKM und Dr. Gerd Kräh, Director Government Affairs bei Lilly Deutschland begrüßten die Teilnehmer der Veranstaltung
 

Dr. Gerd Kräh von Lilly Deutschland und Partner der Initiative Diabetes@Work unterstrich die Vorbildfunktion von HKM und stellte damit die Motivation der Initiative vor: Aus verschiedenen Perspektiven zu erörtern, wie sich Unternehmen schon heute bei der Prävention und Kuration chronischer Erkrankungen wie Diabetes engagieren, und zu diskutieren, welche Maßnahmen flächendeckend in die Praxis umgesetzt werden könnten. An die Politik gerichtet fügte er hinzu, dass das Thema zum Handlungsschwerpunt auf Bundes- und Landesebene werden müsse, da insbesondere jüngere Menschen im arbeitsfähigen Alter immer stärker von Typ-2 Diabetes betroffen sind.

Diesen Punkt griff Dr. Wilhelm Schäffer, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales und Schirmherr der Veranstaltung auf und skizzierte in seinem Impulsreferat die wichtige Rolle von Unternehmen bei Prävention und Gesundheit am Arbeitsplatz. Er bestätigte, dass es die zentrale Aufgabe der Politik sei, hier geeignete Rahmenbedingungen für den Gesundheits- und Arbeitsschutz zu schaffen und er sich daher über die Impulse von HKM freue. Sein politisches Ziel sei es, an Initiativen wie Diabetes@Work und bestehenden Best-Practices anzuknüpfen und deren Angebote möglichst flächendeckend und für alle Unternehmensgrößen zu etablieren.
 

Schaeffer
Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales
des Landes Nordrhein-Westfalen, ging auf die Herausforderungen in NRW ein.

 

Erfolgreiche Maßnahmen setzen früh und niedrigschwellig an Dr. Wolfgang Panter, leitender Betriebsarzt von HKM, erläuterte in einem Praxiseinblick die Notwendigkeit, mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement bereits gezielt die Auszubildenden anzusprechen: „Bei jungen, meist adipösen Menschen kann man davon ausgehen, dass sie bereits Diabetes haben oder mit großer Wahrscheinlichkeit entwickeln werden – hier müssen wir direkt nach der Einstellung aktiv werden.“ Präventive Angebote, die unmittelbar am Arbeitsplatz wirken, seien beispielsweise „Gesundheitswochen“ mit vielfältigen Maßnahmen zu Ernährung oder Bewegung, die während der Arbeitszeit und unter Beteiligung der direkten Vorgesetzten durchgeführt werden.
 

Panter
Dr. med. Wolfgang Panter, Leitender Betriebsarzt von HKM, erläuterte in seinem
Praxiseinblick Herausforderungen chronischer Erkrankungen am Arbeitsplatz

 

Gesundheit als Netzwerkaufgabe
Im nachfolgenden Impulsgespräch zwischen dem in Duisburg niedergelassenen Diabetologen Dr. med. Ernst-Otto von Reis und dem Vorstandsvorsitzenden der BKK vor Ort, Reinhard Brücker, lobten beide die Kooperation zwischen Diabetologen, Betriebsärzten und Krankenkassen in Duisburg und speziell mit HKM, die seit Jahren sehr gut funktioniere. Trotz allem müssten weitere Anstrengungen unternommen werden, da Diabetes noch immer unterschätzt werde: „Die Krankheit selbst tut nicht weh. Sie wird zu spät erkannt, was unsere Therapiemöglichkeiten schnell einschränkt“, so Dr. von Reis.
 

Impulsgespraech
Der Diabetologe Dr. med. Ernst-Otto von Reis und der Vorstandsvorsitzende der BKK vor Ort, Reinhard Brücker,
thematisierten im Gespräch mit der Moderatorin Lisa Braun den Umgang mit chronischen Erkrankungen als Netzwerkaufgabe

 

Brücker ergänzte, dass der Anstoß, sich selbst gesund zu halten, daher frühzeitig erfolgen müsse. Das Setting Arbeitsplatz sei dafür besonders geeignet, da niemand so nah an den Beschäftigten sei wie der Betriebsarzt. Vor diesem Hintergrund begrüßten beide das Präventionsgesetz als wichtigen Ansatz, den Ausgabenschwerpunkt im Gesundheitssystem schrittweise um Präventionsmaßnahmen zu erweitern.

Setting Arbeitswelt muss gestärkt werden
Das in den kommenden Tagen im Bundestag zur Abstimmung stehende Präventionsgesetz bestimmte den anschließenden politischen Dialog. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Gesundheitsausschuss Helga Kühn-Mengel sowie Peter Preuß, arbeits- und sozialpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in NRW diskutierten mit Bernhard Graefenstein (IG BCE Nordrhein), Anne-Kathrin Klemm (BKK-Dachverband) und Norbert Keller (Betriebsrat HKM) die Rolle von Politik zur Unterstützung von Unternehmen bei der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen.
 

Diskussion
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion v.l.n.r.: Helga Kühn-Mengel MdB (SPD), Peter Preuß MdL (CDU), Norbert Keller Betriebsrat HKM), Anne-Kathrin Klemm (BKK-Dachverband), Bernhard Graefenstein (IG BCE Nordrhein), Lisa Braun (Moderation)
 

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass präventive und kurative Gesundheitsmaßnahmen dann erfolgreich sind, wenn Sie erstens direkt am Arbeitsplatz und in der Arbeitszeit durchgeführt werden, sie zweitens auf die individuelle Arbeitsplatzsituation zugeschnitten sind und drittens niedrigschwellige Zugänge bieten. Dies koste zwar Zeit und Geld, doch der Aufwand sei es wert, sodass die Aufwendungen für Präventionsleistungen im Setting Arbeitswelt in den kommenden Jahren sogar noch auszuweiten seien. Schließlich sei Prävention eine Investition in die Zukunft der Gesellschaft: „Prävention ist die Antwort auf die demografische Entwicklung“, konstatierte Helga Kühn-Mengel, die neben ihrem Bundestagsmandat auch Präsidentin der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung ist.
 

Das Präventionsgesetz sei dafür ein erster wichtiger Baustein. Das Setting Arbeitsplatz, so die Teilnehmer, erfahre eine Aufwertung und könne zum Ausgangspunkt für Prävention und Kuration von chronischen Erkrankungen wie Diabetes werden. Um regionale Netzwerke und die Kooperation vor Ort weiter zu verstärken, dürfe Politik jedoch nicht nachlassen. Regionale Netzwerke aus Unternehmen, Krankenkassen, Ärzten und weiteren Akteuren der Prävention benötigen politische Rahmenbedingungen, die den Transfer und Austausch von Best-Practices fördern und bürokratische Hürden abbauen. Eine sinnvolle Ergänzung könne hier eine nationale Diabetesstrategie sein.
 

Get together
Beim abschließenden Get-together vertieften die Teilnehmer der Veranstaltung
in persönlichen Gesprächen die angestoßenen Ideen